Was ist klassische Homöopathie?

Die klassische Homöopathie ist eine sanfte und ganzheitliche Heilmethode. Sie wurde vor über 200 Jahre von Dr. Samuel Hahnemann begründet und im Organon niedergeschrieben.

Sie beruht auf sechs Prinzipien:

  • das Ähnlichkeitsgesetz
  • die Lebenskraft
  • die Individualität
  • die Arzneimittelprüfung
  • die Potenzierung
  • die Anwendung von Einzelmitteln in kleinstmöglicher Dosis

Das Ähnlichkeitsprinzip, »similia similibus curentur«, bedeutet, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden soll. Ein Patient mit bestimmten Beschwerden bekommt ein homöopathisches Arzneimittel, welches bei einem Gesunden während der Arzneimittelprüfung, ähnliche Symptome hervorbringt, wie die vom Patienten beschriebenen.

Würde ein Mensch z.B. Tollkirschen essen, käme es zu Vergiftungssymptomen wie Mundtrockenheit, erweiterte Pupillen, inneres Hitzegefühl, Halluzinationen, wellenförmige, neuralgische Schmerzen etc.. Ein Mensch kann z.B. bei einer fieberhaften Erkrankung ähnliche Symptome entwickeln. Das homöopathische Mittel Belladonna (Tollkirsche) wird in diesem Fall helfen.

 

Durch die homöopathische Behandlung wird die Lebenskraft stimuliert. Sie ist eine dynamische Kraft, welche in jeder Zelle unseres Körpers innewohnt und unser Körper am Leben erhält. Bei einem gesunden Menschen ist die Lebenskraft stark und aktiv. Krankheiten sind Zeichen einer Disharmonie. Die Lebenskraft macht uns darauf aufmerksam, dass etwas im Innern, auf der dynamischen Ebene des Menschen, nicht stimmt und will uns vor Krankheiten schützen. Stösst sie an ihre Grenzen, so gibt sie uns Warnsignale, welche sich bei uns als Symptome äussern oder sie macht sogenannte Ventile (Hautäusschläge, Durchfall, Nasenbluten etc.), um das Gleichgewicht im Innern aufrecht zu erhalten.

Stress, Ärger, Ungerechtigkeiten, Sorgen, Medikamente, schlechte Ernährung, zu wenig Bewegung, Wettereinflüsse etc. sind alles Faktoren, welchen unsere Lebenskraft ausgesetzt ist und durch welche sie geschwächt werden kann.

 

In der Homöopathie wird der Mensch im Ganzen behandelt, was bedeutet, dass das homöopathische Mittel nicht anhand einzelner Symptome oder erkrankten Körperteilen gewählt wird, sondern Charakter, Lebensstil, Reaktionen auf äussere Einflüsse, vergangene und gegenwärtige Geschichte des Patienten, wie auch die seiner Familie massgebend für eine sorgfältige Mittelwahl sind. Dies führt dazu, dass jeder Patient individuell behandelt und für jeden Einzelnen genau die homöopathische Arznei gesucht wird, welche am besten zu ihm und seinen Beschwerden passt. Somit kann es vorkommen, dass fünf Personen an Asthma leiden, aber jeder ein anderes homöopathische Mittel bekommt.

 

Durch die Arzneimittelprüfung wird das sogenannte Arzneimittelbild ermittelt. Dabei wird das zu prüfende Homöopathika, mit genauer Vorgabe von Dosierung und zeitlichem Abstand, von gesunden Prüfern eingenommen. Anhand der Symptome, welche bei den Prüfern auftreten, wird das Arzneimittelbild und somit das Einsatzgebiet des entsprechenden Homöopathikas ermittelt.

Dr. Hahnemann erkannte durch seine Beobachtungen, dass sich die Qualität und Heilwirkung seiner homöopathisch verschriebenen Arzneimittel durch die Verdünnung stark verbesserte und erst durch die Potenzierung (Verschüttelung bzw. Verreibung) die Heilkräfte aus den Grundsubstanzen freigesetzt werden. Die teilweise zu starken Wirkungen und Nebenwirkungen, der homöopathisch verschriebenen, aber unverdünnten Arzneimittel, konnten so vermieden werden. 

Die homöopathischen Arzneimittel, werden in Form von Globuli oder Tropfen angewendet. In der klassischen Homöopathie arbeitet man mit Einzelmitteln, was heisst, dass nicht mehrere homöopathische Mittel zur gleichen Zeit oder in gemischter Form angewendet werden. Die Anwendung in der kleinstmöglichen Dosis besagt, dass ein Baby gleich viele Globuli braucht wie ein Erwachsener oder ein Elefant wird die gleiche Dosis erhalten wie eine Maus. Da die homöopathischen Arzneimittel auf dynamischer Ebene wirken, reichen bereits kleinste Mengen (bzw. ein Globuli) aus, um eine Wirkung zu erzielen und müssen daher nicht auf die Grösse und das Gewicht abgestimmt werden.

Vater der Homöopathie

Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann gilt als Begründer der Homöopathie. Im Jahr 1790, also vor über 200 Jahren, führte er den Chinarinden-Versuch durch und definierte anhand dessen das Ähnlichkeits-Prinzip. 

Um die Wirkung der Chinarinde, welche zur Behandlung von Malaria eingesetzt wird, am eigenen Körper zu erfahren, führte Hahnemann einen Selbstversuch durch. Jedes Mal wenn er Chinarinde (unverdünnt) einnahm, entwickelte er alle Symptome eines Malariafiebers. Setzte er die Einnahme wieder ab, verschwanden auch die Symptome. Die Tatsache, dass Chinarinde bei Gesunden Malaria-Symptome erzeugte und bei Malariakranken heilend wirkte, liess ihn zu folgender Überlegung kommen:

  • Wenn eine Substanz in der Lage ist Symptome hervorzurufen, welche einer Krankheit ähneln, so sollte sie auch in der Lage sein, Krankheiten mit ähnlichen Symptomen zu heilen. »Similia similibus curentur« oder »Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt«

Dieser Selbstversuch gilt als Grundstein der Homöopathie.

Das Ähnlichkeitsgesetzt »Similia similibus curentur«, wurde jedoch bereits von Hippokrates und Paracelsus formuliert. Dr. C.F.S. Hahnemann war aber der erste, der es konkret niederschrieb und umsetzte.